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Mut zum Impfen

„Auf sich selber achtend, achtet man auf die anderen, ihr Mönche,

auf die anderen achtend, achtet man auf sich selber".

Quelle: http://palikanon.com/samyutta/sam47.html#s47_19

Diese Worte spricht der Buddha zu den Bambus-Akrobaten im „Sedaka Sutta“ (SN 47.19). In dieser schwierigen, herausfordernden Pandemiezeit haben diese Worte für uns Buddhisten noch einmal eine ganz besonders kraftvolle Bedeutung.

Wir sind angehalten, Entscheidungen zu unserem Wohl und auch zum Wohl unserer Mitmenschen zu treffen. Für einige unter uns ist Frage: „Impfen lassen oder nicht?“ eine wahre Zumutung. Auch für mich war diese Frage eine Zumutung, da ich im Jahr 2008 sehr schwere und traumatisierende Nebenwirkungen nach einer Impfung erlitten hatte. Aber steckt in dem Begriff „Zu-MUT-ung“ nicht deutlich vernehmbar der „MUT“, der uns da ZU-getraut wird?

Über meine „Impf-Zumutung“ hat „InFranken.de“ berichtet. Den Mut zur Impfung habe ich gefasst, weil mir mit unbeschreiblichem Mitgefühl begegnet wurde. Mediziner hatten den Mut, sich mit meiner herausfordernden Impfgeschichte auseinanderzusetzen, die auch eine mutige Entscheidung gefordert hat. Dadurch hatte ich den Mut, mich impfen zu lassen.

 

Hier findet Ihr den Artikel:

Nürnberg: Angst vor Corona-Spritze nach Impf-Trauma - Betroffene kritisiert Druck auf Impfskeptiker (infranken.de)

 

Ganz besonders freut mich, dass meine Impfgeschichte auch großen Zuspruch im „Rat der Religionen Nürnberg“ gefunden hat. Aus dem Vorstand kamen Worte, wie: „Wirklich Mut machend und (…) seelsorgerisch einfühlsam. (…) Sehr ermutigender Artikel.“

Vielleicht kann ich Euch auch erreichen und Euch Mut zusprechen.

Eure Claudia

Brief von Claudia, 21.08.2021

Liebe Dhamma-Familie,

 

die Bilder aus Afghanistan erschüttern uns. Etwa 1000 Jahre lang spielte ein Teil Afghanistans, damals Gandhara genannt, eine bedeutende und zentrale Rolle für die Lehre des Buddha - und wie uns der Buddha vor Augen führt, ist alles der Vergänglichkeit unterworfen.

Als bekennende Buddhisten haben wir es zu unserer Lebensaufgabe gemacht, dem Wandel mit Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut zu begegnen, um einen friedvollen Geist zu entwickeln. Wir wollen eine entsprechende Geisteshaltung entwickeln, um uns von unseren Vorstellungen wie wir die Welt gerne hätten, loszulösen und Frieden mit dem zu schließen, was ist wie es ist.

Shantideva sagt dazu:

„Wenn Du Dein Problem lösen kannst, wozu dann Sorgen machen? Und wenn Du es nicht lösen kannst, wozu dann Sorgen machen?“

 

Was in Afghanistan geschieht, ist für viele von uns verstörend und beängstigend. Es liegt in unserem menschlichen Dasein, dass wir uns hilflos fühlen, Angst haben und auch Wut in uns verspüren.

In den sozialen Medien werden zunehmend Bilder im Zusammenhang mit den Taliban geteilt, die z.B. zerstörte Buddhastatuen zeigen. Ähnliche Bilder wurden verwendet, als es in Myanmar zu dem furchtbaren Genozid gegen die Rohingyas kam: es handelt sich dabei um Bilder („sharepics“ genannt), die konkret darauf abzielen, Hass gegen den Islam zu erzeugen.

Ich selbst habe das leider hautnah in den sozialen Medien miterlebt und so gut es ging mit Zitaten aus dem Palikanon gegengesteuert: in der Lehre des Buddha gibt es eindeutige Unterweisungen, einen friedvollen Geist zu bewahren, der frei ist von Rachegelüsten, Wut und Hass.

Ich bitte Euch sehr, Euch von möglicher Hetze nicht mitreißen zu lassen, sondern in erster Linie Mitempfinden für die zahllosen Opfer dieser Katastrophe zu entwickeln. Bitte haltet Euch vor Augen, dass selbst die schlimmsten Terroristen Opfer ihrer eigenen Geisteshaltung sind, die sich -so wie wir- im Grunde genommen ein erfülltes und glückliches Leben wünschen, aber völlig in die Irre geleitet wurden.

Ja, es ist schwer – auch für mich. Ich war jahrelang aktiv in einer Menschenrechtsorganisation und mir ist leider bestens bekannt, zu welchen unmenschlichen Foltermethoden Terroristen in der Lage sind.

Diejenigen unter uns, die den Tibetischen Buddhismus praktizieren, bitte ich an die Haltung des Dalai Lama gegenüber den chinesischen Besatzern zu denken. Viele Tibeter mussten ähnliche Grausamkeiten erleiden und waren dennoch um eine friedvolle Geisteshaltung ihren Peinigern gegenüber bemüht.

 

Was sagt der Buddha? Lesen wir einen Abschnitt aus dem „Gleichnis von der Säge (MN 21)“, den Ihr im Palikanon in der Mittleren Sammlung findet:

"Wenn auch, ihr Mönche, Räuber und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten, so würde wer da in Wut geriete nicht meine Weisung erfüllen. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: 'Nicht soll unser Gemüt verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemütes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüte durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem Gemüte, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen': also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.“

 

Ebenfalls im Palikanon findet Ihr die Lehrrede, die sich auf die „Selbstläuterung (MN8)“ bezieht. Unter anderem spricht der Buddha folgende Worte:

"Aber hier, Cundo, sollt ihr Selbstläuterung üben:

'Die anderen werden in Wut geraten, wir nicht', so ist Selbstläuterung zu üben.

'Die anderen werden das Leben rauben, wir nicht', so ist Selbstläuterung zu üben. (…)“

Es lohnt sich, diese Lehrrede komplett zu lesen und darüber zu kontemplieren !


Und im Dhammapada finden wir auch Buddhas Worte der Weisheit im Vers 197:

„Den Hass nicht zu erwidern, das ist unser Glück;

Und hassen andre uns, wir hassen nicht zurück.“

 

In beängstigenden, herausfordernden Krisenzeiten ist es oft schwer, dass wir „bei uns bleiben“. Etwas, das mir immer hilft ist die Haltung: „Der Friede beginnt mit mir.“

Was wir tun können ist eine dankbare Haltung zu entwickeln, dass wir in der glücklichen Lage sind, Zugang zur Lehre des Buddha zu haben. Die Taliban haben diesen Zugang nicht. Schicken wir diesen Menschen ganz besonders gute Wünsche ohne auf Rache zu sinnen. Denken wir an Angulimala, der vom Massenmörder zum Heiligen wurde.

Beenden möchte ich mein Schreiben an Euch mit den Worten Angulimalas (MN 86):

„Mögen meine Feinde hin und wieder zuhör'n,

Dhamma hör'n von jenen, die von Nachsicht reden,

Jenen, die das Loblied von der Güte singen,

Mögen sie dem Dhamma gütig handelnd folgen.“

 

Bitte passt alle auf Euch auf und bewahrt die Lehre des Buddha in Eueren Herzen. Damit tragt Ihr einen wichtigen Teil zum Frieden in dieser Welt bei.

 

Eure

Claudia

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Claudia als Botschafterin

Liebe Leute,

 

zuerst einmal bedanke ich mich ganz herzlich, dass ich Euer Vertrauen geschenkt bekomme, die Gemeinschaft des Bodhi-Baum-Zentrums im Rat der Religionen zu repräsentieren und zu vertreten.

 

Brigitte hatte ja einen Brief zu dem Thema geschrieben, der auch für die Mitglieder der Bodhi-Baum-Gemeinschaft gedacht war, die mich nicht persönlich kennen. 

 

 Ergänzend noch ein paar Stichpunkte zu meiner Biografie: ich bin 1970 geboren und seit 1991 verheiratet. Mein Ehemann Michael und ich haben zwei angenommene Kinder, die bereits erwachsen sind. Seit dem Jahr 2007 arbeite ich als Quereinsteigerin im sozialen Bereich. Ich habe aktiv in der Flüchtlingsbegleitung mitgewirkt, war danach in der Familienhilfe und arbeite seit drei Jahren in der Behindertenhilfe als Schulbegleiterin.

 

Im Dezember 1987, als ich 17 Jahre alt war, wurde mir während eines Aufenthaltes im Sanzen-In-Tempel in Japan bewusst, dass ich den Weg der Lehre des Buddha gehen werde.

 

Heute durfte ich jedenfalls gemeinsam mit Brigitte und Bernhard unsere Bodhi-Baum-Gemeinschaft repräsentieren.

 

Es gab in Nürnberg am Klarissenplatz eine durch die Umstände bedingte sehr klein gehaltene Gedenkfeier für die Opfer der Corona-Pandemie.

Unzählige Menschen haben ihre Liebsten verloren, unzählige Menschen ihre Arbeit, unzählige Menschen werden Armut und Ausgrenzung durch ihre Armut erleben. Es hat mir heute bei der Gedenkfeier für die Opfer der Corona-Pandemie viel bedeutet, dass ich für uns Buddhisten sprechen und eine „Herzensbrücke“ zu diesen Menschen durch die Lehre des Buddha errichten durfte.

Auf youtube könnt ihr dabei sein: https://youtu.be/E6B_eftUpQo

 

Ich habe einen Vers gewählt, den wir als "Die vier unermesslichen Gedanken" bezeichnen und der unsere Ideale im Buddhismus spiegelt: bedingungsloses Wohlwollen, bedingungsloses Mitgefühl, bedingungslose Mitfreude und vollendeten Gleichmut.

Durch diese Worte konnte ich im Namen aller Praktizierenden der Lehre des Buddha, auch die Essenz dieser Lehre nahebringen: Gier, Hass und Verblendung überwinden durch die „Vier unermesslichen Gedanken“. 

Ganz besonders gefreut hat mich auch, dass der Künstler und Sufi Scheich Süleyman Bahn, der unser interreligiöses Denkmal entworfen hat, gleich am Anfang die Worte „Mögen alle Wesen frei sein von Leid“ gewählt hat. Scheich Süleyman und mich verbindet eine lange interreligiöse Freundschaft. Er hat mich auch gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, am Rat der Religionen teilzunehmen.

 

Mein Plan ist, dass ich Euch regelmäßig über die Aktivitäten des Rats der Religionen berichten werde. Besonders wichtig ist mir auch, Eure Ideen, Anregungen, Wünsche und vielleicht auch Sorgen in den Rat der Religionen mit einzubringen. Da ich aber selbst erst in diese Rolle hineinwachsen muss, bitte ich Euch um etwas Geduld und Nachsicht mit mir. Brigitte wird mir beratend zur Seite stehen, wenn es um Belange der Bodhi-Baum-Gemeinschaft geht, Scheich Süleyman wird mich bei meinen ersten Schritten im Rat der Religionen unterstützen, bis ich trittsicher bin.

 

Wenn wieder Präsenztreffen im Bodhi-Baum-Zentrum möglich sind, werde ich mich freuen, Euch auch einmal zu besuchen und vor allem auch, diejenigen kennenzulernen, die ich noch nicht kenne.

 

Solange keine Präsenztreffen möglich sind, werde ich versuchen, eine Zoom-Konferenz im Mai zu organisieren, in der wir uns zu diesem Thema austauschen können.

 

Bis dahin: bleibt gesund und passt auf Euch gut auf.

Alles ist vergänglich: auch diese Pandemie.

 

In diesem Sinne verbleibe ich 

Eure Claudia