Veranstaltung im Bodhi-Baum-Zentrum: Bericht über das Treffen vom Rat der Religionen

Liebe Dhammafamilie,


am 19.10.2021 trifft sich der Rat der Religionen in Nürnberg.

Zum ersten Mal werde ich als Vertreterin des Bodhi-Baum-Zentrums an diesem Treffen teilnehmen. Brigitte Meixner wird mir begleitend und beratend zur Seite stehen. Aus diesem Grund werde ich am Donnerstag, den 21.10.2021 um 19.30 Uhr im Bodhi-Baum-Zentrum in Fürth (Untere Fischerstraße 4) über diese Sitzung berichten. Eure Gedanken, Ideen und Wünsche sind mir im Bezug auf den Rat der Religionen enorm wichtig. Wenn Ihr nach meinem Bericht etwas auf dem Herzen habt, dann setzt Euch mit mir in Verbindung. Meine Kontaktdaten gebe ich Euch am 21.10. am Ende unseres Beisammenseins.


Während des Lockdowns hatte ich auch einen „Dialog der Schulen“ ins Leben gerufen, der einige Monate über Zoom stattgefunden hat. Brigitte hatte bereits darüber gesprochen und mir die Rückmeldung gegeben, dass wir diesen von mir moderierten Dialog ebenfalls am 21.10. zum Thema „Tatkraft“ gestalten.



Die „Tatkraft“ stellt eine grundlegende und maßgebliche Tugend in sämtlichen Schulen des Buddhismus dar. In der Sprache Pali wird diese Tatkraft als „Viriya“ bezeichnet und als „Vollkommenheit der Einsatzfreudigkeit“ beschrieben.

(Quelle: https://www.meditationthailand.org/de/viriya-parami/3274/ )

Im Samyutta Nikaya 48.8 / „Erkennbarkeit“ wird sich u.a. auf die Tatkraft bezogen:

„Und woran, ihr Mönche, ist die Fähigkeit der Tatkraft ( viriya ) zu erkennen? An den vier rechten Kämpfen ( sammā-padhāna ): daran ist die Fähigkeit der Tatkraft zu erkennen.“

(Quelle https://suttacentral.net/sn48.8/de/hecker)

Um die Fähigkeit der Tatkraft im Bezug auf die vier rechten Kämpfe noch begreifbarer und anschaulicher zu machen, füge ich hier noch einen Abschnitt der Lehrrede (A.IV.13) ein, die sich auf diese Kämpfe direkt bezieht:

„Vier rechte Kämpfe gibt es, ihr Mönche. Welche vier? Da erzeugt, ihr Mönche, der Mönch in sich den Willen, nicht aufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen zu lassen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum. Er erzeugt in sich den Willen, aufgestiegene üble, unheilsame Dinge zu überwinden; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum. Er erzeugt in sich den Willen, nicht aufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen zu lassen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum. Er erzeugt in sich den Willen, aufgestiegene heilsame Dinge zu festigen, nicht schwinden zu lassen, sondern sie zu Wachstum und voller Entfaltung zu bringen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum. (…)“

(Quelle: http://palikanon.com/angutt/a04_011-020.html)


Da wir in unserem Dialog der Schulen jedoch nicht in der Theorie verharren, sondern uns gegenseitig durch unsere alltäglichen Erfahrungen zur gelebten Tatkraft motivieren und inspirieren wollen, lade ich Euch herzlich ein, Euch eigene Gedanken zu diesem Thema zu machen. Mit diesen Gedanken gestaltet Ihr aktiv unseren Gesprächsabend mit.

Ein möglicher Leitfaden kann dafür sein: - Welche unheilsamen Dinge, die nicht zu meinem inneren Frieden und nicht zu meiner Selbstgenügsamkeit führen, steigen in mir auf? -Welche Ressourcen/Fähigkeiten habe ich in mir, erlernte oder gewohnte Verhaltensmuster (die mich z.B. in Unruhe versetzen) zu bekämpfen und zu überwinden? - Welche heilsamen Fähigkeiten (die zu meinen inneren Frieden führen) habe ich schon entwickelt? -> Hier dürfen wir auch sehr gerne unserem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein einen sichtbaren und spürbaren Platz geben. - Wie können wir diese heilsamen Fähigkeiten in uns stärken und bewahren?

Da ich selbst in der sozialen Arbeit/Pädagogik beschäftigt bin, habe ich einen mir wichtigen Hinweis: kulturell leben wir in einer defizitorientierten Leistungsgesellschaft. Wenn wir also über unsere eigenen unheilsamen Tendenzen sprechen, dann erfordert das schon sehr viel Mut, Kraft und Selbstvertrauen. Es geht in diesem Dialog nicht darum, dass wir uns gegenseitig belehren.

Es geht vielmehr darum, uns gegenseitig zu ermutigen, dass wir uns zu unserem Menschsein mit allen Herausforderungen und Hindernissen bekennen und aus diesem Bekenntnis eine Erkenntnis wird, die uns in unserer Ent-wicklung aus den weltlichen Verstrickungen heraus voranbringen wird.

Bitte lasst uns in einer positiven Art miteinander sprechen.


In unseren vermeintlichen „Schwächen“ können die eigentlichen Stärken liegen – und es ist sehr viel Stärke, über das reden zu können, was uns als „Schwäche“ beigebracht wurde.


Ich freue mich auf unser Zusammensein.


Eure Claudia